Vereinigter CVJM Nümbrecht e.V.

Interview mit Brigitte Winter-Heer

Nachdem wir vor gut einem Monat Sebastian Schneider interviewt haben, der den CVJM nach jahrzehntelanger aktiver Mitarbeit verlassen hat, steht heute das nächste Interview an. Und wieder geht es um einen Abschied aus der aktiven Arbeit – Brigitte Winter-Heer, unsere Gemeindereferentin für Arbeit mit Kindern, hatte letzten Sonntag ihren Abschiedsgottesdienst.

1. Hallo Brigitte! Ich glaube so richtig vorstellen müssen wir Dich nicht, weil Dich ja doch jeder, der bei uns in der Gemeinde ist oder der sich auf unsere Website verirrt, kennt. Trotzdem als ganz kurze Einleitung: Wo kommst Du her, was hast Du vorher gemacht und wie lange bist Du jetzt schon bei uns in Nümbrecht?

Geboren und zur Schule gegangen bin ich in Bad Salzuflen. Dort machte ich eine Ausbildung und arbeitete dann als Zahnarzthelferin. Mit 19 Jahren berief mich Gott in seinen Dienst. Nach einer dreijährigen Bibelschulzeit folgte ein Anerkennungsjahr in einer Gemeinde in Schleswig-Holstein. Dort arbeitete ich acht Jahre als Gemeindereferentin. Am 1.Juli 1991 bin ich dann nach Nümbrecht gekommen.

2. Noch eine Frage zum „Kennenlernen“: Was ist Dein Lieblingstier? Zufälligerweise ein Schaf?

Woher weißt du das? Natürlich finde ich Schafe toll. Am liebsten hätte ich ein kleines Lamm im Garten.

 

3. Für so viele kleine Lämmer wie Brigitte-Schafe im CVJM-Krippenspiel ist ja wahrscheinlich kein Platz in Eurem Garten. Jetzt aber zur nächsten Frage: In Deiner Zeit bei uns in der Gemeinde hast Du jede Menge Veranstaltungen mit durchgeführt und geprägt, zum Beispiel Kinderferienwochen im Gemeindehaus und mit den Kindergärten, Mädchenjungscharfreizeiten, Lego-Tage, Konfifreizeiten, besondere Kindergottesdienste und vieles mehr. Welche Aktion von all jenen, an denen du beteiligt warst, hat Dich am meisten gefordert und warum?

Da ist unsere Brigitte – hier mal etwas skeptischer als sonst meistens. 😉
Brigitte in 256-facher Ausführung als Schaf im CVJM-Krippenspiel

Ich habe mal überschlagen: Es sind über 250 Freizeiten!

Dabei hatte jede Aktion und Freizeit ihre Besonderheit und Herausforderung. Langjährige Mitarbeiter wissen schon was meine besonderen Fragen sind:

  • Finde ich genügend Mitarbeiter?
  • Wird das Angebot überhaupt angenommen?
  • Kommen Kinder und kann ich sie mit der Botschaft erreichen?

Im Nachhinein blieb aber immer wieder eine große Dankbarkeit über den Segen, den Jesus geschenkt hat.

Eine Freizeit habe ich noch besonders in Erinnerung. Eines der Mädchen brachte den Norovirus mit und 40 der 60 Teilnehmer hatten Durchfall und Erbrechen. Es war eine ganz besondere Freizeit und als wir nach Hause fuhren, hatten wir den Virus besiegt und alle waren gesund.

Eine andere spannende Freizeit war eine Teen- und junge Erwachsenen-Freizeit an der Ardèche mit 70 Teilnehmern die, Stefan Pentzek und ich durchgeführt haben. Der Veranstalter hatte uns viel versprochen und wir waren sehr überrascht, als wir ankamen und nichts davon vorfanden: Kein separater Platz, sondern mitten auf einem öffentlichen Campingplatz; keine Holzhütten, sondern Zelte, keine Küche. Gekocht wurde unter freiem Himmel, es gab viel zu wenige Kanus, usw. Trotzdem war es eine außergewöhnliche segensreiche Freizeit.

Gruppenbild einer der vielen Familienfreizeiten
Einblick in eine MJS-Freizeit im Gemeindehaus Nümbrecht
Kinder-Ferienwoche zum Thema Dschungel
Einblick in die LEGO-Tage

4. Das klingt ja wirklich sehr abenteuerlich! Auf welche Aktionen schaust Du besonders gerne zurück?

Die Kinderferienwochen waren immer Klasse. Es war jedes Mal toll, dass sich große Mitarbeiterteams mit ihren Gaben dort einbrachten. Die guten Vorbereitungen lohnten sich, besonders, weil wir die Wochen ein paar Mal durchführen konnten. Erst in Nümbrecht, dann in Berkenroth und im Kindergarten. Mit einem kleinen Team fuhren wir sogar einige Male nach Sadenbeck zu Lilli Köppen, um dort in der Prigniz eine Kinderwoche durchzuführen.

Richtig dankbar bin ich auch, dass wir die LEGO Tage im Herbst 2020 noch durchführen konnten.

 

5. Das war auch tatsächlich seitdem die letzte größere Präsenz-Aktion in unserer Kinder- und Jugendarbeit. Deine Aufgaben waren ja wirklich sehr vielfältig. Was wird Dir am meisten fehlen?

Ich bin ein Beziehungsmensch. Darum werden mir die Begegnungen mit Menschen sowie die Gruppenstunden und vielen Gespräche, am meisten fehlen.

6. Bei all den Dingen, die Du mitgeprägt hast und mit all der Erfahrung, die Du hast: Siehst Du aktuell bei uns in der Gemeinde irgendwo eine Lücke, die man durch ein Angebot für Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene füllen sollte? Oder siehst Du und als Gemeinde und CVJM gut aufgestellt?

Gemeindearbeit ist immer in Bewegung und lebt von Veränderung. Methoden und Strukturen dürfen und müssen sich immer wieder ändern. Wichtig ist: Die Botschaft bleibt die gleiche. Gottes Wort gilt und bleibt unveränderlich.

Darum mein Wunsch und meine Bitte: Bleibt nahe bei Jesus und seinem Wort. Setzt alles daran, junge Menschen reifen zu lassen und nach und nach selbstständige Menschen heranzuziehen.

BuEF (Bibel- und Erlebnis-Freizeit)

7. Meistens warst Du in Deinem Dienst ja wirklich Feuer und Flamme für Deine Arbeit (das haben auch einige Trick-Taschentücher zu spüren bekommen). Bestimmt gab es in den 30 Jahren Dienst bei uns in der Gemeinde aber auch mal Tage, die nicht so leicht von der Hand gingen. Was hat Dich dazu angetrieben, trotzdem immer weiter in Nümbrecht an Gottes Gemeinde mit zu bauen?

Als Beziehungsmensch investiert man viel in Menschen und wird auch oftmals enttäuscht. Während meiner Dienstzeit habe ich gemerkt, wie wichtig es für mich war, eine Fortbildung in „biblisch therapeutischer Seelsorge“ zu absolvieren. Meine Supervisorin half mir meine Arbeit zu reflektieren und aus anderem Blickwinkel – von außen – zu sehen.

Daneben hatte ich immer gute Freunde und Geschwister in der Gemeinde, die mich ermutigt und unterstützt haben. Das hat mir jedes Mal geholfen fröhlich und im Glauben die Arbeit in Nümbrecht weiter zu tun.

8. Jeder aus unserem Redaktionsteam hat von Dir als Kind viele Geschichten aus der Bibel gehört. Was ist Deine persönliche Lieblingsgeschichte oder Dein persönlicher Lieblings-Vers und warum?

Ich liebe die Petrusgeschichten. In Petrus entdecke ich mich immer wieder. Er ist oft spontan: Er überdenkt sein Tun und Handeln erst später und trägt sein Herz auf der Zunge. Er macht vieles falsch und versagte oftmals.

Jesus liebte ihn trotzdem und vergab ihm immer wieder seine Schuld und gebrauchte ihn mit seinen Ecken und Kanten. So macht es Jesus auch mit mir.

 

9. Jetzt mal weg vom Blick nach hinten und hin zum Blick nach vorne: Du möchtest zusammen mit Deinem Mann Martin mit dem Wohnmobil die Welt erkunden. Auf welche Reiseziele freust Du Dich dabei besonders? Oder wird die Zeit eher unter dem Motto „der Weg ist das Ziel“ stehen?

Natürlich muss man schauen, was Corona zulässt. Ich würde gerne nach Schleswig-Holstein fahren und alte Bekannte und Freunde besuchen. Martin und ich mögen aber auch den Süden, die Sonne und das Meer. Gerne würden wir darum größere Touren dahin machen, wenn es wieder geht.

Außerdem freue ich mich sehr auf meine freie Zeit für Familie und Enkelkinder.

Brigitte mit ihrem Mann Martin
Brigitte mit ihrer Familie
Brigittes Gruppe bei einer CVJM-Maiwanderung

10. Wirst Du, wenn Ihr nicht unterwegs seid, dennoch für die ein oder andere CVJM-Aktion wieder zu haben sein? Nicht unbedingt als Mitarbeiter, sondern vielleicht ja auch mal – in der für Dich ungewohnten Rolle – als normaler Teilnehmer. Auf dem Fahrrad bist Du ja fit – vielleicht bei der Fahrradtour? Oder auch bei anderen Aktionen?

Natürlich bin ich bzw. sind wir dabei. Der CVJM hat immer tolle Aktionen gemacht, wo wir in den letzten Jahren auch schon unsere Enkel mitgenommen haben. Jetzt ist es für mich wichtig, den Staffelstab an meine Nachfolgerin abzugeben, damit Neues entstehen kann. Ich bin auch sehr gespannt für welche Aufgaben und wo Gott mich bzw. uns noch gebrauchen möchte.

11. Das war auch schon die letzte Frage. Möchtest Du sonst noch etwas loswerden?

Ja, ein Wort zum Schluss: Ich bin Gott sehr dankbar für die vielen schönen Jahre hier in der Gemeinde. Danke für die große Freiheit die ich in meinem Handeln und Tun haben durfte. Danke auch für das Vertrauen und das gute Miteinander im CVJM und der Kirchengemeinde.

Und wir sind Gott sehr dankbar dafür, dass er uns Brigitte als sehr wertvolle und treue Mitarbeiterin in Nümbrecht geschenkt hat – wir als Gemeinde haben dadurch einen riesengroßen Segen erfahren. 🙂

Wir wünschen Brigitte und Martin eine schöne Zeit mit tollen Reisen an viele verschiedene Orte (im Norden und im Süden) und auch eine gute Zeit mit der Familie! Natürlich freuen wir uns aber auch schon darauf, sie wieder, zusammen mit Martin und den Enkeln, bei der Maiwanderung oder anderen Aktionen begrüßen zu können. Alles Gute und Gottes Segen für die kommende Zeit! 🙂

…unten gibt es noch ein paar Eindrücke vom Abschieds-Gottesdienst am vergangenen Sonntag. 🙂