Rundbrief – Vanessa Hein (4)

Hallo ihr Lieben,

seit einiger Zeit war ich nun dran euch einen Rundbrief zu schreiben. Aber irgendwie konnte ich manche Erlebnisse nicht so richtig in Worte fassen und es gab einfach so viele schöne Momente zu erleben.

Plötzlich hat alles ein abruptes Ende genommen und seit Sonntag bin ich wieder hier im kalten Deutschland.

Wahrscheinlich hat der ein oder andere schon mitbekommen, dass ich wegen des COIVD-19 Kenia verlassen musste.
Innerhalb von 4 Tagen hieß es Koffer packen und Abschied nehmen.

Unsere DIGUNA Leitung hatte noch frühzeitig gehandelt und es wurde auf Hochtouren gearbeitet, um für uns Kurzzeitler einen Rückflug zu ergattern.

Einerseits bin ich dankbar, dass die Lage so gut eingeschätzt wurde und wir es noch so eben aus Kenia herausgeschafft haben.
Andererseits frage ich mich natürlich: „Warum Gott? Warum jetzt?!“ und möchte das alles nicht wahrhaben, würde am liebsten sofort zurück und wünschte dass alles wie gewohnt weitergehen könnte…

Doch jetzt ist es so und ich muss versuchen hier wieder Fuß zu fassen und mein Herz aus Kenia zurück zu holen.

Für euch gibt es trotzdem nochmal einige Erlebenisse aus den letzten drei Monaten.

MARSABIT

Über Weihnachten war ich zusammen mit den beiden Kurzzeitlerinnen Elena und Graciela einige Tage bei meiner lieben Zimmermitbewohnerin Joyce zu Hause in Korr und anschließend in Ngurunit zur Hochzeit unseres Freundes Joshi.

Beide Orte liegen im Norden von Kenia im Gebiet Marsabit.

Zwei Orte die gar nicht so weit auseinander liegen und doch so unterschiedlich sind.

In Korr war es sehr heiß, trocken und flach, wobei Ngurnit einem wie das Paradies erschien. Umringt von großen Bergen, einem Fluss, größeren grünen Bäumen die Schatten spendeten, …

Es war eine unfassbar schöne Zeit, in der ich sehr viele neue Erfahrungen gesammelt und Dinge erlebt habe, die ich sonst so nicht gemacht hätte.

Immer wieder habe ich versucht, das, was ich in den 10 Tagen erlebt habe in Worte zu fassen.

Aber ich weiß leider nicht wo ich anfangen oder aufhören soll. Darum gibt es einfach ein paar Bilder.

KICC Tower

An einem Sonntag Nachmittag haben wir einen Ausflug nach Nairobi gemacht und haben den KICC Tower besucht. Von diesem Turm aus hatten wir eine super Aussicht über Nairobi 🙂

SLUM – Ministry
Seit kurzem konnten wir mit einem super tollen DIGUNA Team wieder die Slum – Ministry bei uns in der Nachbarschaft starten.

Zusätzlich zum BibleClub am Samstag Nachmittag, ging´s vormittags in den Slum.

Es war eine so schöne Arbeit.

Die Kinder freuten sich so sehr wenn wir kamen, mit ihnen spielten und uns einfach Zeit für sie nahmen. Es war mir dann auch egal, wenn mich wer weiß wie viele kleine dreckige Patschehändchen anfassten, meine Haare hinterher ganz verknotet waren, weil jeder sie anfassen und flechten wollte und ich später einfach komplett dreckig war, wenn ich dafür nur ein Lächeln auf die Gesichter der Kinder zaubern konnte.

Zusätzlich zum gemeinsamen Spielen gab es natürlich eine Bibelgeschichte. Die Kleinen konnten zwar nicht immer still sitzen und es wurde sich oft gegenseitig eins über die Nase gehauen, aber ich bin mir sicher, dass sie trotz allem für sich mitnehmen konnten dass Gott für sie da ist.

Zum Abschluss gab es Kekse und Uji (eine Art Haferbrei).

Uh la la, dass war vielleicht immer ein Gedränge, denn jeder wollte schließlich der Erste sein.

Da musste man manchmal aufpassen, dass sich einer nicht ein zweites Mal in die Schlange drängelte. Aber der voll beschmierte Uji Mund hat sie meistens schon verraten 😀

Ach wie ich es mit den Kindern dort geliebt habe … und jeden Abend auf´s neue wurde mir bewusst was für ein Privileg es ist, einfach unter die Dusche springen zu können, den Wasserhahn aufzudrehen, sauberes Wasser über den Körper laufen zu lassen und sich danach frisch gewaschene Kleidung anziehen zu können.

DASE (DIGUNA Annuel Sport Event = Jährliche DIGUNA Sport Veranstaltung)

Vor ca. zwei Wochen ging es für uns auf die DIGUNA Station nach Ngechek zu DASE.

Hierbei veranstaltet DIGUNA ein dreitägiges Fußball – und Volleyball Turnier für jedes Team das Lust hat mitzumachen. Man könnte auch sagen es ist eine Art Sport Evangelisation. Denn zusätzlich zum Sport finden Andachten, Lobpreis und Gebet statt.

Das Event stand unter dem Thema „The right goal!“ – „Unser Ziel ist es deshalb, immer zu tun, was ihm gefällt, ob wir nun in diesem Körper leben oder ihn verlasssen.“ 2. Korinther 5:9

Auch wenn die sportliche Leistung unseres Fußball Mädelsteams nicht so brillant war (dafür hatten wir ja unsere DIGUNA-Mbagathi-Männerteams :-D) hatten wir eine absolut tolle Gemeinschaft und sehr viel Spaß!
Unser Coach hat uns jedes Mal auf´s neue motiviert und uns daran erinnert, dass es nicht nur ums Gewinnen geht, sondern darum ein gutes Vorbild für andere zu sein und zu zeigen dass unsere Freude in Jesus ist.

Nach dem 1. Spieltag kam jedoch plötzlich die Meldung, dass das Event aufgrund neuer Corona Vorfälle in Kenia vorsichtshalber abgebrochen werden muss.

Wir waren alle echt traurig, dass es schon vorbei sein sollte.
Mit einem ermutigenden Lobpreisabend, voll mit tanzen und singen, endete dann DASE 2020.

Die letzten Tage

Nachdem wir wieder in Mbagathi angekommen waren, ging plötzlich alles sehr schnell…

Den Sonntag haben wir noch ganz normal verbracht, uns von DASE ausgeruht, den Geburtstag von einem lieben Freund gefeiert, und auch wenn wir wussten, dass Corona schon in Kenia angekommen war, haben wir nicht mit den schnellen Folgen gerechnet.

Ab Montag gab es dann die ersten Verschärfungen auf der Station. Alle Arbeiter von außerhalb wurden nach Hause geschickt, und wir sollten soweit wie möglich keinen Besuch mehr empfangen und die Station verlassen.

Da nun die Arbeiter nicht mehr da waren, wurden wir Teammember schnell in verschiedene Arbeitsbereiche eingeteilt, damit alles seinen gewohnten Gang gehen konnte.
Dabei hatten wir viel Spaß und wir haben viel gelacht und Quatsch gemacht. Denn so ging die Arbeit schließlich viel einfacher 😀

Dann allerdings kam der Dienstag und mit ihm die Schreckensbotschaft!

Wir waren gerade mit dem Abendessen fertig, als wir deutschen Kurzzeitler zusammen gerufen wurden und es hieß: „Es tut uns von Herzen leid. Aber auf Grund der derzeitigen Situation haben wir als DIGUNA Leitung und Vorstand beschlossen, dass es das Beste und Vernünftigste ist euch aus Kenia heraus zurück nach Deutschland zu bringen.“

Diese Nachricht war wie ein Schlag ins Gesicht!

Natürlich hatte man mal kurz darüber nachgedacht, ob es evtl. passieren könnte, aber dass es nun wirklich dazu kam… An diesem Abend rollten bei uns viele Tränen und wir konnten es einfach nicht fassen! Plötzlich sollte alles so zu Ende sein!

Dabei hatte ich für die folgenden 3 ½ Monate noch so viel geplant, es waren gerade so wertvolle Freundschaften entstanden und nun musste man gehen?! Das konnte doch nicht wahr sein!

Doch jetzt hieß es, sich innerhalb ein paar Tagen von allem verabschieden!
Alle den lieben Menschen und wunderbaren Freunden, der wunderschönen Natur, dem warmen Wetter, den dreckigen und staubigen Straßen, den kleinen Shops am Straßenrand, …

Die darauffolgenden Tage habe ich mit viel Packen verbracht und versucht normal weiterzuleben und jeden einzelnen Moment in mich aufzusaugen. Am liebsten hätte ich alles in ein Marmeladenglas gestopft und mitgenommen.

Am Donnerstag Abend hatten Elena, Melita und ich unsere Kwaheri-Party (Abschiedsfeier). Wir haben Marshmallows am Feuer gemacht, zur Musik getanzt, gequatscht und ganz viel gelacht! Wegen mir hätte dieser Abend nie Enden müssen!

Schließlich war Samstag und der Tag des Abschieds gekommen. Mit schweren Herzens und einer voll gepackten Tasche schöner Erinnerungen ging es letztlich zurück nach Deutschland.

Auch wenn es sich teilweise noch unwirklich anfühlt, wieder in Deutschland zu sein und ich gerade gerne zurück möchte, bin ich Gott trotzdem unfassbar dankbar für all die schönen Momente die ich erleben durfte.
Wie ich schon am Anfang erwähnt habe, versuche ich jetzt hier erst mal wieder zu Fuß fassen und zu überlegen wie es weitergehen soll.
Ich freue mich auf jeden Fall, wenn ich auch euch bald wiedersehen kann und wünsche auch euch in dieser befremdlichen Zeit viel Kraft und Gottes Beistand.

 

GEBETSANLIEGEN

Dankbar bin ich für, …

  • die Möglichkeit Zeit mit den Kindern aus dem Slum und BibleClub verbracht haben zu können
  • gute Begegnungen und Gespräche
  • neue und tolle Freundschaften
  • für die heile Ankunft in Deutschland

 

Bitten dürft ihr dafür, dass …

  • sich der Corona Virus nicht weiter ausbreitet (sowohl in Kenia wie auch in anderen Teilen der Welt)
  • das DIGUNA Leiterteam weiterhin weise Entscheidungen treffen kann
  • ich mit meinem Herzen wieder gut in Deutschland ankomme und herausfinde wie es nun weitergehen soll

 

Ganz liebe Grüße

eure Vanessa